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Bischof Rochus Josef Tatamai zu Besuch am Maristengymnasium

Im Zuge der Eröffnung des Missio-Jahres 2012 mit dem Themenschwerpunkt "Papua-Neuguinea" besuchte Bischof Tatamai das Maristengymnasium Fürstenzell.
Über Hundert gespannt wartende Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen folgten einem engagierten Vortrag des Bischofs. Dabei stellte er den Zuhörern seinen Inselstaat kurz vor und skizzierte an ausgewählten Beispielen die Herausforderungen und Probleme seines Landes, insbesondere die Situation seiner Gemeinden. Das Anliegen der Kirche in Papua-Neuguinea ist neben der Evangelisierung und caritativen Betreuung der Menschen, dieser Bevölkerung - bis 1975 noch politisch abhängig von Australien - bei der Bewältigung des rasanten Modernisierungsschubs zu helfen. "Wir möchten, dass die katholische Kirche Vorbild und Zeugin für Gerechtigkeit in der Gesellschaft ist", betonte Bischof Tatamai.
Seit 2005 ist Bischof Tatamai in kirchlicher Leitungsverantwortung, seit 2007 Oberhaupt der Diözese Bereina, dem ärmsten Bistum des Inselstaates. Das 19000 Quadratkilometer große Bistum umfasst einen Teil der Küste, vor allem aber auch das unwegsame, raue Bergland der Zentralprovinz. Rochus Tatamai schilderte anschaulich seine Pastoralbesuche in den entlegenen Dörfern des Hochlandes, seine viele Stunden dauernden Märsche zu den Gemeinden, oftmals nur zu erreichen auf abenteuerlichen Flügen mit kleinen Maschinen und Landungen auf improvisierten Pisten.
Schwerpunkt seines Vortrages war vor allem, den Zuhörern deutlich zu machen, welchen enormen Herausforderungen eine Gesellschaft gegenübersteht, die in nur wenigen Jahren quasi von der Steinzeit in die Moderne katapultiert wurde. Das Aufeinandertreffen von traditioneller Lebensweise und Moderne birgt neben manchen Erleichterungen vor allem Konfliktstoffe und Probleme: Alte Kulturen drohen auszusterben, internationale Konzerne werfen begehrliche Blicke auf das mit Rohstoffen gesegnete Land, ein Jahrhunderte funktionierendes Wertesysteme droht ins Wanken zu geraten. Die vielen jungen Menschen dieses Landes stehen vor gewaltigen Herausforderungen, nicht zuletzt aber vor der Frage, wo in dieser sich so schnell wandelnden Gesellschaft ihr Platz sein wird. "Gerade auch in diesen Bereichen verstehen sich die christlichen Kirchen vor Ort als Anwälte der Bevölkerung."
Der Drang internationaler Konzerne in dieses rohstoffreiche Land gefährdet nicht nur die außergewöhnlich schöne und sensible Natur durch katastrophale Umweltschäden, sondern war bereits Auslöser für Bürgerkriege.
In all diesen Belangen wissen die Kirchen den Staat an ihrer Seite. Dieser schätzt das hohe Engagement im Bereich der Bildung und Versorgung der Menschen und unterstüo;tzt sie im Rahmen seiner Möglichkeiten. Doch letztlich braucht der Inselstaat auch Hilfe von außen - eine Hilfe, die nicht ausbeutet und entmündigt, sondern zur Selbsthilfe beiträgt und der Bevölkerung Perspektiven und Zukunft sichert.
Im Anschluss an seinen Vortrag bot sich den Schülern Gelegenheit, Fragen an Bischof Tatamai zu richten, was sie reichlich nutzten: Fragen zu seiner persönlichen Lebensgeschichte, zu seinen Freuden und Nöten als Bischof, zur Stellung der Familie in diesem Kulturkreis, zur Umweltproblematik, zur Zukunft eines Staates mit einer 50-prozentigen Bevölkerung unter 20 Jahren u.v.m.
Begleitet wurde Bischof Tatamai vom Schulseelsorger des Maristengymnasiums, Maristenpater Wilhelm Tangen. Dieser war selbst 25 Jahre Missionar auf Papua-Neuguinea und kannte Bischof Tatamai schon als jungen Priester. Die enge Verbundenheit zwischen der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Missionare, welcher Bischof Rochus angehört, und den Maristen gründet in deren über 100 Jahre dauernden gemeinsamen Anstrengung, dieses Inselreich zu evangelisieren - eine Verbindung, welche bis heute von Bedeutung ist.
In seiner bescheidenen, liebenswürdigen, stets authentischen Art und Weise vermittelte Bischof Rochus Tatamai das Bild einer weltoffenen, lebensbejahenden Kirche, die vor großen Herausforderungen steht und für welche die Sorgen und Nöte der Menschen Maßstab jeglichen Handelns sein müssen. Und das haben die Zuhörer wahrlich gespürt.




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