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Vanakkam - Pater Joseph zu Besuch am MGF

An einem verregneten Donnerstagvormittag bekam die Klasse 10a von dem indischen Pater Joseph Besuch. Er erzählte viel über sich selbst und sein Heimatland und ging mit Freude auf die Fragen der Schüler ein. Pater Joseph wurde im Süden Indiens, in einem kleinen Dorf an der Küste geboren. Seine Vorfahren waren weit zurückreichend bereits Christen und somit war er für diese Religion bestimmt. Er selbst hatte das Glück eine gute Schulbildung genießen zu können und schloss sich später dem Orden MSFS, den Missionaren des hl. Franz von Sales an.
Zuerst arbeitete er als Lehrer in Indien, doch dann schickte ihn sein Orden in die Karibik, allerdings wurde er nach einiger Zeit zurück gerufen, um die deutsche Sprache zu erlernen, da er bald in Deutschland, genauer in der Diözese Passau, tätig sein sollte. Insgesamt benötigte er fünf Jahre um der deutschen Sprache mächtig zu werden, doch die meiste Zeit verbrachte er währenddessen bereits in unserem Land. Im Januar 2008 kam er in Nordrheinwestfalen an und seit September 2015 ist er in Fürstenzell nun Kaplan. Auf die Frage, ob er bei uns bereits mit Rassismus konfrontiert gewesen sei, konnte er eine ganz klare Antwort geben. Nein! Er ist bisher nur auf sehr freundliche Menschen gestoßen und wurde hier sehr freundlich aufgenommen.
Für viele gilt Indien immer noch als Entwicklungsland, es ist siebenmal größer als Deutschland und dadurch gibt es dort natürlich auch viele verschiedenen Kulturen und Sprachen. In diesem Land gibt es 21 Sprachen und 1750 Dialekte, daher gibt es zwei Amtssprachen, die jeder kann: Hindi und Englisch.
Der Hinduismus nimmt 80% der Bevölkerung ein, dagegen gehören dem Christentum nur rund 2,4% an. Trotz dieser gewaltigen Minderheit ist das Christentum eine starke Gruppierung. Mit den Europäern kam die Schulbildung und diese wurde zum größten Teil von Christen verbreitet. Bis vor etwa 40 Jahren war Indien ein sehr friedliches Land. In einem Dorf sind mehrere Religionen vertreten. Diese Menschen leben miteinander und oft stellen die verschiedenen Glaubensrichtungen auch kein Problem dar, doch immer öfters führen diese dann doch zu Konflikten.
In Indien gibt es eine große Schere zwischen den Armen und Reichen. Oft sind die Leute so arm, dass ganze Familien in Slums leben müssen, die schon geradezu menschenunwürdig sind.
Vielleicht habt ihr auch bereits vom Kastenwesen in Indien gehört. Dort gibt es mehrere Kasten, in die die Menschen aufgeteilt sind. In der obersten Kaste, deren Zeichen der Kopf ist, sind die Brahmanen, die Priester. In der zweiten Kaste sind die Soldaten, deren Symbol die Hände sind, dann kommen die Geschäftsleute, für die der Bauch steht und danach kommen die Arbeiter, deren Zeichen wiederum die Füße sind. Nach all diesen Kasten bleiben dann noch die Kastenlosen übrig, die die Drecksarbeit verrichten, wie beispielsweise öffentliche Urinale reinigen.
Dieses Kastenwesen ist eigentlich seit den 1950er Jahren verboten, jedoch ist es aus den Köpfen der Menschen noch nicht verschwunden. Pater Joseph berichtete uns, dass es zwar bereits besser geworden ist, da nun mehr Leute gebildet sind und dieses Kastenwesen von sich selber aus anzweifeln, jedoch haben selbst manche Jugendliche noch das Kastenwesen präsent in ihren Köpfen und so kommt es, dass beispielsweise oft noch in den gleichen Kasten geheiratet wird. Er selbst hält nichts vom Kastenwesen und glaubt auch nicht, "dass dieses etwas bringt". Die Kämpfe gegen das Kastenwesen werden aber wahrscheinlich noch 50 bis 100 Jahre andauern, bis es endgültig verschwunden ist.
Indien ist ein Land der Landwirtschaft, dies ist ihr Haupteinkommen. Hierfür sind sie allerdings auf Regen angewiesen. Da dieser öfters nicht eintritt oder wenn er dann doch kommt, so zerstörerisch ist, dass die komplette Ernte vernichtet ist, begehen viele Inder Landflucht. Entweder ziehen sie in größere Städte oder verlassen das Land komplett, da sie selbst in der Stadt keine Arbeit finden. Diese zerstörerischen Naturkräfte werden durch den Monsun erzeugt. Dieser ist oft eine riesige Katastrophe. Er kann Hochwasser verursachen, reißt oft ganze Häuser von Familien weg, die danach ohne alles dastehen und oft gibt es viele Todesopfer. Inzwischen entstanden natürlich viele neue Gebäude, die so ausgelegt sind, dass sie großen Wassermassen standhalten können, jedoch wohnen die meisten Menschen noch in älteren Gebäuden, da sie sich etwas Neues nicht leisten können. Männer und Frauen sind in Indien, anders wie in Deutschland, nicht gleichwertig. Verbrechen gegen Frauen werden oft totgeschwiegen.
So zum Beispiel wurde eine Frau von ihrem Freund im Bus vergewaltigt, doch wie sie zur Polizei ging und diesen anzeigen wollte, wurde ihre Anzeige abgelehnt und ihr wurde mitgeteilt, dass sie nun als entehrte Frau keine Rechte mehr hat. Warum aber werden Frauen in Indien so sehr unterdrückt? Indien war schon immer eine "Männerwelt". Die Emanzipation und Gleichberechtigung hat dort zwar inzwischen etwas Einzug durch Bildung gehalten, doch ist noch lange nicht durchgedrungen. "Es kämpfen einfach zu wenige dafür", erklärte uns Pater Joseph, "aber immerhin haben wir jetzt zwei weibliche Piloten".
Für Pater Joseph ist das Besondere an Indien, dass es zwar unendlich viele verschiedene Kulturen, Sprachen und Mentalitäten dort gibt, jedoch besteht trotzdem eine starke Verbindung und Zusammengehörigkeit untereinander und alle helfen sich gegenseitig.
Natürlich wollten wir noch von ihm wissen, welche Unterschiede es denn zwischen Deutschen und Indern gibt und mit seiner Antwort zauberte er jedem Schüler ein Schmunzeln ins Gesicht: "Die Deutschen sind sehr fleißig und pünktlich. Bei den Indern könnte man sagen, was das betriff... es geht..."
Pater Joseph ist recht froh, dass er nun in Deutschland ist und er lernt viel von den Leuten hier, doch die Umstellung war nicht ganz einfach. Was ihm das größte Problem bereitet hat, war die Kälte. Er als Inder, der zuvor in der Karibik tätig war, war das natürlich nicht gewohnt und ein weiteres, doch oft sehr lustiges Problem, stellte die Sprache "Boarisch" dar, doch auch diese lernte er inzwischen einigermaßen zu bewältigen.

Nina Huber, 10a