Welche Schule ist die richtige für mich? Eine Entscheidung, die man als Viertklässler treffen muss – und die sich manchmal fast so groß anfühlt wie der erste Schultag selbst. 146 Grundschüler nutzten deshalb vergangenen Mittwoch die Gelegenheit, am Maristengymnasium Fürstenzell (MGF) „Gymnasialluft“ zu schnuppern – und zwar nicht nur aus der Zuschauerperspektive, sondern mitten im Geschehen.
Der Kreativnachmittag soll nämlich genau das ermöglichen: Eindrücke sammeln vom vielfältigen Angebot der Schule – im Unterricht und darüber hinaus. Eben von dem, „was das MGF zum MGF macht“.
Musikalische Begrüßung
Nach einer schwungvollen musikalischen Einstimmung durch die Big Band der Schule – Musik wird hier nämlich ganz großgeschrieben – und einer herzlichen Begrüßung durch Mitglieder der Schulfamilie ging es direkt los. Jeder Teilnehmer durfte zwei Kurse aus einem breit gefächerten Angebot wählen. Unter Anleitung von Lehrkräften und engagierten Schülern (Tutoren) wurde geforscht, getüftelt, genäht, programmiert, experimentiert und balanciert. Die Eltern hatten an diesem Nachmittag frei, denn die jungen Gäste meisterten ihr Programm eigenständig – ganz wie „echte“ Gymnasiasten.
Von Robotern und Lötmännchen
Große Begeisterung herrschte im Kurs „Robotik“. Mit viel Konzentration programmierten die Nachwuchstechniker Lego-Mindstorms-Roboter so, dass diese selbstständig einer schwarzen Linie folgten oder im Quadrat fuhren. „Er fährt wirklich!“, rief ein Teilnehmer stolz, als sein Roboter präzise die Kurve nahm.
Im Wahlkurs „Erfinden“ lernten die Kinder das Löten und fertigten aus LED-Lämpchen, Widerständen, Kondensatoren und Lüsterklemmen ein leuchtendes „Lötmännchen“. „Den stelle ich mir auf den Schreibtisch!“, meinte ein Mädchen stolz.



Staunen ausdrücklich erlaubt
Naturwissenschaftlich ging es auch in Physik und Biologie zu: Elektromagnete wurden selbst gebaut, Materialien auf ihre Leitfähigkeit geprüft und ein Schokokuss wuchs im Vakuum plötzlich auf die dreifache Größe an. „Leider ist er danach wieder geschrumpft“, stellte ein Beobachter trocken fest, „aber geschmeckt hat er trotzdem.“
Im Kurs „Mikroskopieren“ eröffnete sich eine andere Welt: Regenwürmer, Honigbienen, Libellen, Zecken und sogar das Kleinhirn einer Katze wurden aus nächster Nähe betrachtet. „So hab ich das ja noch nie gesehen!“, staunte eine Viertklässlerin beim Blick durchs Okular.
Eine riesige Sammlung von heimischen Tieren wie Fuchs, Eule oder Dachs konnte als Präparate in der „Faszination Tierwelt“ bestaunt werden. Auch Amphibien und Fossilien beeindruckten die jungen Gäste.
Handwerk, Honig und Höhenluft
Praktisch wurde es beim Nähen: Erste Versuche an der Nähmaschine führten am Ende zu einer selbst gefertigten kleinen Tasche. Die Aussicht, im Wahlkurs vielleicht sogar ein eigenes Dirndl oder individuelle Kleidungsstücke zu designen, sorgte für leuchtende Augen.
Rund um die Bienen drehte sich alles in der „Bienenkunde“. Neben spannenden Fakten über das fleißige Insekt durften die Kinder Bienenwachskerzen wickeln und einen Blick ins schuleigene Imkerhäuschen werfen.
Wer Bewegung suchte, war in der Sporthalle richtig: Vertikaltücher, Einradfahren und Jonglieren forderten akrobatisches Geschick. Die Jonglierbälle wurden dabei sogar selbst hergestellt – Mitmachen statt Zuschauen lautete auch hier das Motto.



Stärkung und zweite Runde
Nach so viel Tüftelei, Forschergeist und Bewegung war erst einmal Zeit zum Durchatmen: Bei Kuchen, Brezen und Getränken wurde erzählt, gelacht und eifrig verglichen, welches Experiment am coolsten war oder welche Kerze am schönsten geworden ist. Frisch gestärkt starteten die Nachwuchsgymnasiasten anschließend mit neuer Energie in ihre zweite Kurseinheit.
Um 17.15 Uhr ging ein ebenso abwechslungsreicher wie erkenntnisreicher Nachmittag zu Ende – mit einer ordentlichen Portion Gesprächsstoff für den Heimweg. Vielleicht wurde an diesem Tag nicht nur ein Roboter programmiert oder eine Naht gesetzt, sondern auch ein verborgenes Talent entdeckt. Und womöglich ist die große Frage „Welche Schule wähle ich?“ für manche ein Stück klarer geworden.
Katharina Zauner




