Mit der diesjährigen Aufführung von „Romulus der Große“ hat die Theatergruppe des Maristengymnasiums Fürstenzell nicht nur einen unterhaltsamen, sondern auch bemerkenswert aktuellen, ironisch-kritischen Theaterabend auf die Bühne gebracht. Für Regisseur und Lehrer Alois Pribil war es dabei ein ganz besonderer Moment: Er feierte mit dieser Inszenierung sein 35-jähriges Jubiläum als Leiter der Theatergruppe am MGF – und kehrte zugleich zu jenem Stück zurück, mit dem einst alles begann.

Dürrenmatts Tragikomödie, angesiedelt im Untergang des Weströmischen Reiches, lebt von ihrer Mischung aus historischem Ernst und bissiger Satire. Gerade in Zeiten globaler Krisen entfaltet das Stück eine besondere Wirkung: Es hält der Gegenwart einen Spiegel vor, indem es zeigt, wie ein Herrscher ein marodes System bewusst nicht mehr retten will, weil es schlicht nicht mehr zu retten ist. Romulus selbst bringt die Überforderung angesichts weltpolitischer Komplexität auf den Punkt: „Ich habe schon lange keinen Überblick mehr in dieser komplizierten Weltpolitik.“
So gut ein Drama geschrieben ist – erst auf der Bühne entscheidet sich seine Wahrheit. Denn ein Theaterstück lebt von seinen Darstellern. Pribil bewies einmal mehr ein feines Gespür für die Besetzung: Jede Rolle wirkte passgenau. Sowohl erfahrene „alte Hasen“ der Theatergruppe als auch Nachwuchstalente aus den Jahrgangsstufen 9 bis 13 überzeugten und zeigten die Schüler von einer ganz neuen Seite.

In der Titelrolle brillierte Konstantin Kühn (Q13), der einen Romulus zwischen stoischer Gelassenheit, skurriler Weltabgewandtheit und trockenem Witz verkörperte. Sein Spiel lebte von präzisem Timing – insbesondere in den Momenten, in denen er sich lieber dem Frühstück oder seiner Hühnerzucht widmete, als sich den drängenden Staatsgeschäften zu stellen. Mit feinem Gespür für die Absurdität der Figur ließ Kühn einen Kaiser entstehen, der den Ernst der Lage zwar erkennt, sich ihm aber bewusst entzieht.
An seiner Seite überzeugte Antonia Rost (Q13) als seine Frau Julia, die mit zunehmender Verzweiflung gegen die stoische Untätigkeit ihres Mannes ankämpft und ihn mit einem energischem „ROMULUS!“ immer wieder an seine Pflichten zu erinnern versucht – vergebens.

Die Idee, Rom durch eine politisch motivierte Heirat der Tochter Rea (Maria Ramaj, Q12) mit einem großindustriellen Unternehmer und äußeren Reformen, wie der Einführung von Hosen statt Tuniken, zu bewahren, entlarvt auf humorvolle Weise den Glauben an zu kurz gedachte Lösungen in Gesellschaft und Politik. Romulus bringt es auch hier auf den Punkt: „Wo die Hose anfängt, hört die Kultur auf.“
Es kam, wie es kommen musste: Der Germanenkönig Odoaker marschiert in Rom ein, um den Kaiser zu unterwerfen. Doch der zunächst als großer und rüpelhaft angelegter Eroberer entpuppt sich im Verlauf als ebenso desillusionierter Charakter wie sein Gegenüber. Tom Stuhlmann (Q13) zeigte gekonnt die Wandlung der Figur: Hinter der Fassade des siegreichen Feldherrn tritt ein Mensch hervor, der mit der ihm zugedachten Rolle hadert.

In der zentralen Schlussszene treffen demnach zwei Männer aufeinander, die beide an der Sinnhaftigkeit von Macht und Herrschaft zweifeln. Der Untergang Roms vollzieht sich dabei nicht in einem dramatisch-heroischen Finale, sondern in einer leisen, geradezu absurden Übereinkunft – ganz im Sinne der bitter-ironischen Weltsicht Dürrenmatts.
Mit feinem Gespür karikierte die Inszenierung die Selbstüberschätzung vergangener Zeiten und warf zugleich einen scharfsinnigen Blick auf die Gegenwart. Häufig wird erkannt, dass Probleme existieren, nicht selten aber entsteht eine spürbare Lücke zwischen Einsicht und effektivem Handeln. Die Mischung aus Ironie, Sarkasmus und unterschwelliger Ernsthaftigkeit traf an diesem Theaterabend genau die Mitte zwischen Unterhaltung und Denkanstoß.

Katharina Zauner



























